Wolf Vostell

»Die Menschenrechte sind Kunstwerke!«

16. September 2022 – Mai 2023

 

Wolf Vostell: Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie, 1971. Heuschrecke, Zigaretten in Klarsichthülle, Fotocollage, Bleistift auf Karton in Objektkasten. Museum Morsbroich, Leverkusen. Dauerleihgabe des Landes NRW. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Wolf Vostell: Maja (aus der Maja-Serie), 1988. Mischtechnik und Collage auf Holz Museum Morsbroich, Leverkusen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Wolf Vostell: Sun in your head, 1963. 16mm-Film auf Video übertragen, s/w., 5:30 Min., Videostill. Museum Morsbroich, Leverkusen / Schenkung von Mercedes und Rafael Vostell / Wolf Vostell Estate. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Fluxus Zug, 1982. Telefon, Knochen, Farbstifte, Text auf schwarzer Spanplatte. Dauerleihgabe des Landes Nordrhein-Westfalen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

 

Eine Werkschau zum 90. Geburtstag im Museum Morsbroich, Leverkusen

➡︎ im Rahmen des Projekts »22/23: spielzeit«
 

Seiteninhalt

  • „Die Menschenrechte sind Kunstwerke! Den Kopf eines Kindes zu streicheln ist genauso ein Kunstwerk wie 3 Striche auf Papier!“
  • Programm der Filmkammer für 22/23
  • Saalzettel über Fluxus Zug
  • Saalzettel über Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie und Maja
  • Saalzettel über Sun in your head

 

„Die Menschenrechte sind Kunstwerke! Den Kopf eines Kindes zu streicheln ist genauso ein Kunstwerk wie 3 Striche auf Papier!“

Diesen Satz notierte Wolf Vostell handschriftlich auf seine Arbeit „Fluxus Zug“ (1982), die zurzeit im Museum Morsbroich in Leverkusen zu sehen ist. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit reflektierte und reagierte Wolf Vostell (1932-1998) in seinem vielschichtigen Werk unvermittelt auf das aktuelle Weltgeschehen, thematisierte soziale Missstände und setzte sich gegen das Verdrängen und Vergessen des Krieges ein. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens stand stets der Mensch und dessen Fähigkeit bewusst zu Handeln. „Jeder Mensch ist ein Kunstwerk“, so die pointierte Reaktion Vostells auf die Beuys’sche Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Mit dem Blick von heute und angesichts der gegenwärtigen Kriegsereignisse ein nach wie vor aktueller Aufruf zu einem reflektierten Handeln an uns alle.

Am 14. Oktober dieses Jahres wäre Vostell neunzig Jahre alt geworden. Neben Rosemarie Trockel und Thomas Grünfeld zählt er zu den bedeutendsten Künstlern, die in Leverkusen geboren wurden. Aus diesem Anlass widmet ihm das Museum Morsbroich im Rahmen des Projekts »22/23: spielzeit« eine konzentrierte Werkschau mit Arbeiten aus der Sammlung des Museums. Sie spiegeln die Komplexität seines Oeuvres wider und lassen die Intensität spürbar werden, mit der sich Vostell seit den späten 1950er-Jahren in den unterschiedlichsten Medien wie Happenings, Environments oder Objektassemblagen kritisch mit gesellschaftsrelevanten Fragen und der substantiell zukunftsgefährdenden Realität des Krieges auseinandersetzte. 

Zum Inbegriff seines Kunstschaffens wurde für ihn hierbei der Begriff der „Décollage“ (franz. loslösen, abtrennen). Dabei ist die Handlung, das Décollagieren, nicht nur als bloßer physischer Akt des (Plakat-)Abreißens zu verstehen, sondern ebenso als prozesshaftes Freilegen verborgener Bedeutungsebenen und mentaler Schichten. Die aktive Beteiligung des Menschen ist dabei immer Voraussetzung und essentieller Bestandteil seiner Kunst. 

Neben frühen Dé-coll/agen, Zeichnungen, Objektkästen, Multiples und Editionen u.a., die auf Vostells Pionierleistung für die Aktionskunst und das Happening verweisen, zeigt das Museum Morsbroich noch bis Mai 2023 im monatlichen Wechsel große Teile seines filmischen Werks (s. Filmprogramm). Zu sehen sind in der Filmkammer des Museums unter anderem Videoarbeiten zu Vostells Aktionen und Environments sowie frühe, künstlerische Dé-coll/age Video-Filme (1963–71) wie auch Vostells erster Film Sun in your head (1963), der das Prinzip der Dé-coll/age auf die Form der Montage bezieht und als erste künstlerische Arbeit überhaupt gilt, die aufgezeichnete Bewegtbilder aus dem Fernsehen verwendet. 

Mit der Werkschau zum 90. Geburtstag knüpft das Museum Morsbroich zugleich an seine eigene Ausstellungshistorie an: Bereits in den späten 1960er-Jahren präsentierte das Museum Vostell in zwei Gruppenausstellungen (13 deutsche Maler, 1968; Räume und environments, 1969), 1992 folgte eine umfassende Werkschau zu seiner Malerei (Vostell. Das malerische Werk) und 2010 wurde die große Überblicksschau seiner Happenings realisiert (Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell).

Im Kontext des Projekts »22/23: spielzeit«, das unter anderem Fragen nach den so dringend notwendigen, zugleich aber auch maximal fragilen Koexistenzen unserer Gegenwart nachgeht, wird deutlich wie eminent gegenwärtig Vostells Werke sind.

 

 

Programm der Filmkammer für 22/23

September

Wolf Vostell, Dé-coll/age Video-Filme, 1963–1971 7 Videos, s/w, gesamt 49 Min.

1. Sun in your head, 1963
2. Starfighter, 1967
3. 20. Juli Aachen, 1967
4. Notstandsbordstein, 1969
5. Brotvermessung, 1969
6. Ruhender Verkehr, 1969
7. Vietnam, 1968-1971

Schenkung von Mercedes und Rafael Vostell / Wolf Vostell Estate


Oktober

Wolf Vostell, Desastres, 1972
Film-Happening
Video, Farbe, 45 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


November

Wolf Vostell, T.O.T., 1972
Film zum Environment
Video, s/w, 31:20 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Dezember

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. I
Filme zu 15 Aktionen, Environments und Installationen von 1968–1987 in Europa und USA Video, Farbe, s/w (4 DVDs), Vol. I:

1. E.D.H.R. [Elektronischer dé-coll/age Happening Raum], 1968, 5 Min. 2. Berlin Fieber, 1973. A film by Ulrike Ottinger ©, 1:50 Min.
3. Auto Fieber, 1973, 8:10 Min.
4. Fandango, 1973, 20 Min.
5. VOAEX. Reise in die hohe Extremadura in Beton, 1976, 3:35 Min.
6. Regen, 1976, 8:25 Min.
7. Familienessen, 1970er Jahre, 6:30 Min.
8. Endogene Depression, 1980. A film by David Vostell, 7:30 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Januar

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. II Video, Farbe, s/w, Vol. II:

9. Fluxus Zug, 1981, 8:30 Min.
10. Die Winde, 1981, 11 Min.
11. Das Begräbnis der Sardine, 1985, 19:45 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Februar

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. III Video, Farbe, s/w, Vol. III:
12. Fluxus Konzert Madrid, 1986, 81:15 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


März

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. IV
Video, Farbe, s/w, Vol. IV:

13. Die Billard Mädchen, 1986, 5 Min.
14. Zwei Beton Cadillacs in Form der nackten Maja, 1987, 6:30 Min. 15. Mythos Berlin Bild, 1987, 13:50 Min.
16. Die Schildkröte, 1987, 5:55 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


April


Wolf Vostell, Das Frühstück des Leonardo da Vinci in Berlin, 1988
Film zum dé-coll/age Fluxus Happening, Video, Farbe, 75 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
 

Mai

Wolf Vostell, Le Cri, 1990
Film zum Fluxus Konzert für 90 Musiker, Video, Farbe, 60 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate

 

 

Saalzettel über Fluxus Zug

1981 fährt Vostells Fluxus Zug als mobiles Museum durch 16 Bahnhöfe in Städten von Nordrhein-Westfalen. Der Kunst-Zug enthält »7 Environments über Liebe, Tod, Arbeit« in neun begeh- baren Containern. »Die vitale Industrie- und Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen mit ihrer heterogenen Bevölkerung«, so Vostell, »ist für das Projekt mein Dialogpartner. ... Der Zug ist als lebende ›Kunstschule‹ konzipiert, wo die Menschen mit dem Künstler Erfahrungen austauschen und eigene Reflexionen mit einbringen können ... Inhaltlich und formal sind die Arbeitswelt mit ihren Materialien – die Entfremdung des Menschen – ... meine künstlerischen Themen.«

 

 

Saalzettel über Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie und Maja

Das Objektbild Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie bezieht sich auf das für den Kölner Hauptbahnhof und die Frankfurter U-Bahn-Station Hauptwache konzipierte 72-Stunden-Happening Vietnam Symphonie, mit dem Vostell die Fahrgäste zu Handlungen einladen wollte, die den Alltag mit dem Kriegsgeschehen in Vietnam konfrontieren sollten. Das erste Happening-Konzept von 1966 sah für die Mitwirkenden auch bei ihnen zu Hause durchzuführende Handlungen vor (»... stecken sie stündlich mit den nadeln die worte weihnachten auf die worte vietnam oder vietcong ...«; vgl. Katalog Die Happenings, S. 265–271).

Indem Vostell mit Desastres (de la Guerra) den Titel einer Radierfolge Francisco de Goyas aufgreift und für sein Objektbild Maja Goyas Gemälde Die Erschießung der Aufständischen (1814) zitiert, verbindet er die Gräuel des damaligen Krieges der Spanier gegen die napoleonischen Besatzer mit den grausamen Bildern aus Vietnam und dem durch Krieg und Gewaltherrschaft sowie durch Geschichtsklitterung und -vergessenheit herbeigeführten gesellschaftlichen Ausnahmezustand im geteilten Deutschland.

Das Motiv der einbetonierten Körperteile einer Frau verweist auf das Happening und den Film Desastres, für die Vostell nicht nur einen ausrangierten Eisenbahnwagon außen mit einer Betonmanschette arretierte, sondern auch im Zugabteil eine nackte Frau, während im Film konstant ein Herzschlag zu hören ist, zeitweilig übertönt von Frequenzstörungen und Börsengeschrei. Vostell übersetzte sein eindringliches Plädoyer gegen den Krieg in eine neue Form des Realismus in der Kunst.

 

 

Saalzettel über Sun in your head

In unserer Filmkammer werden sukzessive große Teile des filmischen Werks von Vostell präsentiert. Dabei handelt es sich überwiegend um Filme zu Vostells Aktionen, Environments und Installationen, die auch dokumentarische Anteile haben.

Vostells erster Film Sun in Your Head (1963) bezieht das Prinzip der Dé-coll/age auf die Form der Montage. Er gilt als erste künst- lerische Arbeit überhaupt, die aufgezeichnete Bewegtbilder aus dem Fernsehen verwendet. Die Aufnahmen weisen gezielte elektroma- gnetische Störungen auf und sind mit einem Alarmton unterlegt. Auch wenn Vostell zunächst mit 16mm-Film gedreht und das Material erst 1967 zu einer Videofassung zusammengefügt hat, entwickelt er hier bereits eine Videoästhetik ›avant la lettre‹.

Wolf Vostell

»Die Menschenrechte sind Kunstwerke!«

16. September 2022 – Mai 2023

 

Wolf Vostell: Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie, 1971. Heuschrecke, Zigaretten in Klarsichthülle, Fotocollage, Bleistift auf Karton in Objektkasten. Museum Morsbroich, Leverkusen. Dauerleihgabe des Landes NRW. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Wolf Vostell: Maja (aus der Maja-Serie), 1988. Mischtechnik und Collage auf Holz Museum Morsbroich, Leverkusen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Wolf Vostell: Sun in your head, 1963. 16mm-Film auf Video übertragen, s/w., 5:30 Min., Videostill. Museum Morsbroich, Leverkusen / Schenkung von Mercedes und Rafael Vostell / Wolf Vostell Estate. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

Fluxus Zug, 1982. Telefon, Knochen, Farbstifte, Text auf schwarzer Spanplatte. Dauerleihgabe des Landes Nordrhein-Westfalen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

 

 

 

Eine Werkschau zum 90. Geburtstag im Museum Morsbroich, Leverkusen

➡︎ im Rahmen des Projekts »22/23: spielzeit«
 

Seiteninhalt

  • „Die Menschenrechte sind Kunstwerke! Den Kopf eines Kindes zu streicheln ist genauso ein Kunstwerk wie 3 Striche auf Papier!“
  • Programm der Filmkammer für 22/23
  • Saalzettel über Fluxus Zug
  • Saalzettel über Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie und Maja
  • Saalzettel über Sun in your head

 

„Die Menschenrechte sind Kunstwerke! Den Kopf eines Kindes zu streicheln ist genauso ein Kunstwerk wie 3 Striche auf Papier!“

Diesen Satz notierte Wolf Vostell handschriftlich auf seine Arbeit „Fluxus Zug“ (1982), die zurzeit im Museum Morsbroich in Leverkusen zu sehen ist. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit reflektierte und reagierte Wolf Vostell (1932-1998) in seinem vielschichtigen Werk unvermittelt auf das aktuelle Weltgeschehen, thematisierte soziale Missstände und setzte sich gegen das Verdrängen und Vergessen des Krieges ein. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens stand stets der Mensch und dessen Fähigkeit bewusst zu Handeln. „Jeder Mensch ist ein Kunstwerk“, so die pointierte Reaktion Vostells auf die Beuys’sche Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Mit dem Blick von heute und angesichts der gegenwärtigen Kriegsereignisse ein nach wie vor aktueller Aufruf zu einem reflektierten Handeln an uns alle.

Am 14. Oktober dieses Jahres wäre Vostell neunzig Jahre alt geworden. Neben Rosemarie Trockel und Thomas Grünfeld zählt er zu den bedeutendsten Künstlern, die in Leverkusen geboren wurden. Aus diesem Anlass widmet ihm das Museum Morsbroich im Rahmen des Projekts »22/23: spielzeit« eine konzentrierte Werkschau mit Arbeiten aus der Sammlung des Museums. Sie spiegeln die Komplexität seines Oeuvres wider und lassen die Intensität spürbar werden, mit der sich Vostell seit den späten 1950er-Jahren in den unterschiedlichsten Medien wie Happenings, Environments oder Objektassemblagen kritisch mit gesellschaftsrelevanten Fragen und der substantiell zukunftsgefährdenden Realität des Krieges auseinandersetzte. 

Zum Inbegriff seines Kunstschaffens wurde für ihn hierbei der Begriff der „Décollage“ (franz. loslösen, abtrennen). Dabei ist die Handlung, das Décollagieren, nicht nur als bloßer physischer Akt des (Plakat-)Abreißens zu verstehen, sondern ebenso als prozesshaftes Freilegen verborgener Bedeutungsebenen und mentaler Schichten. Die aktive Beteiligung des Menschen ist dabei immer Voraussetzung und essentieller Bestandteil seiner Kunst. 

Neben frühen Dé-coll/agen, Zeichnungen, Objektkästen, Multiples und Editionen u.a., die auf Vostells Pionierleistung für die Aktionskunst und das Happening verweisen, zeigt das Museum Morsbroich noch bis Mai 2023 im monatlichen Wechsel große Teile seines filmischen Werks (s. Filmprogramm). Zu sehen sind in der Filmkammer des Museums unter anderem Videoarbeiten zu Vostells Aktionen und Environments sowie frühe, künstlerische Dé-coll/age Video-Filme (1963–71) wie auch Vostells erster Film Sun in your head (1963), der das Prinzip der Dé-coll/age auf die Form der Montage bezieht und als erste künstlerische Arbeit überhaupt gilt, die aufgezeichnete Bewegtbilder aus dem Fernsehen verwendet. 

Mit der Werkschau zum 90. Geburtstag knüpft das Museum Morsbroich zugleich an seine eigene Ausstellungshistorie an: Bereits in den späten 1960er-Jahren präsentierte das Museum Vostell in zwei Gruppenausstellungen (13 deutsche Maler, 1968; Räume und environments, 1969), 1992 folgte eine umfassende Werkschau zu seiner Malerei (Vostell. Das malerische Werk) und 2010 wurde die große Überblicksschau seiner Happenings realisiert (Das Theater ist auf der Straße. Die Happenings von Wolf Vostell).

Im Kontext des Projekts »22/23: spielzeit«, das unter anderem Fragen nach den so dringend notwendigen, zugleich aber auch maximal fragilen Koexistenzen unserer Gegenwart nachgeht, wird deutlich wie eminent gegenwärtig Vostells Werke sind.

 

 

Programm der Filmkammer für 22/23

September

Wolf Vostell, Dé-coll/age Video-Filme, 1963–1971 7 Videos, s/w, gesamt 49 Min.

1. Sun in your head, 1963
2. Starfighter, 1967
3. 20. Juli Aachen, 1967
4. Notstandsbordstein, 1969
5. Brotvermessung, 1969
6. Ruhender Verkehr, 1969
7. Vietnam, 1968-1971

Schenkung von Mercedes und Rafael Vostell / Wolf Vostell Estate


Oktober

Wolf Vostell, Desastres, 1972
Film-Happening
Video, Farbe, 45 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


November

Wolf Vostell, T.O.T., 1972
Film zum Environment
Video, s/w, 31:20 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Dezember

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. I
Filme zu 15 Aktionen, Environments und Installationen von 1968–1987 in Europa und USA Video, Farbe, s/w (4 DVDs), Vol. I:

1. E.D.H.R. [Elektronischer dé-coll/age Happening Raum], 1968, 5 Min. 2. Berlin Fieber, 1973. A film by Ulrike Ottinger ©, 1:50 Min.
3. Auto Fieber, 1973, 8:10 Min.
4. Fandango, 1973, 20 Min.
5. VOAEX. Reise in die hohe Extremadura in Beton, 1976, 3:35 Min.
6. Regen, 1976, 8:25 Min.
7. Familienessen, 1970er Jahre, 6:30 Min.
8. Endogene Depression, 1980. A film by David Vostell, 7:30 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Januar

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. II Video, Farbe, s/w, Vol. II:

9. Fluxus Zug, 1981, 8:30 Min.
10. Die Winde, 1981, 11 Min.
11. Das Begräbnis der Sardine, 1985, 19:45 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


Februar

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. III Video, Farbe, s/w, Vol. III:
12. Fluxus Konzert Madrid, 1986, 81:15 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


März

Wolf Vostell, Epos Vostell, 1987, Vol. IV
Video, Farbe, s/w, Vol. IV:

13. Die Billard Mädchen, 1986, 5 Min.
14. Zwei Beton Cadillacs in Form der nackten Maja, 1987, 6:30 Min. 15. Mythos Berlin Bild, 1987, 13:50 Min.
16. Die Schildkröte, 1987, 5:55 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate


April


Wolf Vostell, Das Frühstück des Leonardo da Vinci in Berlin, 1988
Film zum dé-coll/age Fluxus Happening, Video, Farbe, 75 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate
 

Mai

Wolf Vostell, Le Cri, 1990
Film zum Fluxus Konzert für 90 Musiker, Video, Farbe, 60 Min.

Schenkung von Mercedes Vostell / Wolf Vostell Estate

 

 

Saalzettel über Fluxus Zug

1981 fährt Vostells Fluxus Zug als mobiles Museum durch 16 Bahnhöfe in Städten von Nordrhein-Westfalen. Der Kunst-Zug enthält »7 Environments über Liebe, Tod, Arbeit« in neun begeh- baren Containern. »Die vitale Industrie- und Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen mit ihrer heterogenen Bevölkerung«, so Vostell, »ist für das Projekt mein Dialogpartner. ... Der Zug ist als lebende ›Kunstschule‹ konzipiert, wo die Menschen mit dem Künstler Erfahrungen austauschen und eigene Reflexionen mit einbringen können ... Inhaltlich und formal sind die Arbeitswelt mit ihren Materialien – die Entfremdung des Menschen – ... meine künstlerischen Themen.«

 

 

Saalzettel über Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie und Maja

Das Objektbild Desastres de la Guerra Vietnam-Symphonie bezieht sich auf das für den Kölner Hauptbahnhof und die Frankfurter U-Bahn-Station Hauptwache konzipierte 72-Stunden-Happening Vietnam Symphonie, mit dem Vostell die Fahrgäste zu Handlungen einladen wollte, die den Alltag mit dem Kriegsgeschehen in Vietnam konfrontieren sollten. Das erste Happening-Konzept von 1966 sah für die Mitwirkenden auch bei ihnen zu Hause durchzuführende Handlungen vor (»... stecken sie stündlich mit den nadeln die worte weihnachten auf die worte vietnam oder vietcong ...«; vgl. Katalog Die Happenings, S. 265–271).

Indem Vostell mit Desastres (de la Guerra) den Titel einer Radierfolge Francisco de Goyas aufgreift und für sein Objektbild Maja Goyas Gemälde Die Erschießung der Aufständischen (1814) zitiert, verbindet er die Gräuel des damaligen Krieges der Spanier gegen die napoleonischen Besatzer mit den grausamen Bildern aus Vietnam und dem durch Krieg und Gewaltherrschaft sowie durch Geschichtsklitterung und -vergessenheit herbeigeführten gesellschaftlichen Ausnahmezustand im geteilten Deutschland.

Das Motiv der einbetonierten Körperteile einer Frau verweist auf das Happening und den Film Desastres, für die Vostell nicht nur einen ausrangierten Eisenbahnwagon außen mit einer Betonmanschette arretierte, sondern auch im Zugabteil eine nackte Frau, während im Film konstant ein Herzschlag zu hören ist, zeitweilig übertönt von Frequenzstörungen und Börsengeschrei. Vostell übersetzte sein eindringliches Plädoyer gegen den Krieg in eine neue Form des Realismus in der Kunst.

 

 

Saalzettel über Sun in your head

In unserer Filmkammer werden sukzessive große Teile des filmischen Werks von Vostell präsentiert. Dabei handelt es sich überwiegend um Filme zu Vostells Aktionen, Environments und Installationen, die auch dokumentarische Anteile haben.

Vostells erster Film Sun in Your Head (1963) bezieht das Prinzip der Dé-coll/age auf die Form der Montage. Er gilt als erste künst- lerische Arbeit überhaupt, die aufgezeichnete Bewegtbilder aus dem Fernsehen verwendet. Die Aufnahmen weisen gezielte elektroma- gnetische Störungen auf und sind mit einem Alarmton unterlegt. Auch wenn Vostell zunächst mit 16mm-Film gedreht und das Material erst 1967 zu einer Videofassung zusammengefügt hat, entwickelt er hier bereits eine Videoästhetik ›avant la lettre‹.

Veranstaltungen

Wunschwochenende im Parklabyr
3. Dezember, 4. Dezember

Samstag, 3. Dezember, 11 – 17 Uhr
Sonntag, 4. Dezember, 11 – 17 Uhr

 

Am kommenden Wochenende aktivieren die Künstler*innen Margit Czenki und Christoph Schäfer wieder das Parklabyr im Museum Morsbroich. Der Eintritt zum Planungs-Studio im Schloss ist frei.

Im Auftrag des Museum Morsbroich und der Stadt Leverkusen wird das Hamburger Künstler*innen-Duo in den nächsten Jahren den Park überarbeiten und als Ensemble aus Kunst, Garten und Stadtgesellschaft neu definieren – zusammen mit der interessierten Bevölkerung. Margit Czenki sagt dazu: „Wir möchten mit dem Wissen der Nutzer*innen des Parks und des Schlosses die Frage beantworten: Was muss der Schlosspark in Zukunft können? Was könnte dort passieren?“

Wer Lust hat, sich auf künstlerische Umwege zu begeben, ist Samstag und Sonntag herzlich eingeladen im Gartenzimmer des Schlosses zu zeichnen, zu denken und Ideen zu entwickeln. Christoph Schäfer: „Unsere Tools bieten Personen aller Altersgruppen Möglichkeiten und Herausforderung, um auf neue Ideen zu kommen.“

Besonders dringlich suchen die beiden zur Zeit Motive und Entwürfe für die barocke Wasserachse im Park, die möglicherweise schon recht bald wieder baulich und ökologisch hergerichtet wird. Doch eine schlichte Brücke wäre den beiden für die geliebte Parkanlage zu wenig. So fragen sie auf einem der Arbeitsbögen: „Welcher Leidenschaft würden Sie eine Brücke widmen? Und wie sähe diese aus?“.

  • Am „Wunsch-Weekend“ sind die Künstler*innen durchgängig anwesend.
  • Auch außerhalb dieser Tage ist der Zugang zum Planungs-Studio im Museum Morsbroich zu den üblichen Öffnungszeiten immer frei.
Artist Talk: Schirin Kretschmann – WELL, COME
1. Dezember

18 Uhr

Eintritt frei

Moderdeation: Thekla Zell

Schirin Kretschmann (*1980) untersucht in ihren Arbeiten die Spezifik von vorhandenen Situationen und Orten. Was macht einen Ort aus, welche Besonderheiten, Eigenschaften und Geschichte bringt er mit sich? Was macht ihn für uns sichtbar, was nehmen wir von ihm wahr und was nicht? Die von Schirin Kretschmann gewählten Materialien und Verfahren sind dabei immer auf einen (zeitlichen) Prozess der Veränderung und Erweiterung ausgelegt, der Potenziale wie auch scheinbar unsichtbare Ereignisse und Handlungen sichtbar werden lässt.

Im gemeinsamen Gespräch mit Kuratorin Thekla Zell gibt Schirin Kretschmann Einblicke in ihre künstlerische Praxis und teilt erste gedankliche Ansätze zu einem neuen ortsspezifischen Projekt, das sie in den nächsten Jahren im Außenraum des Museum Morsbroich entwickeln wird. Hierbei setzt sie sich mit der besonderen Situation des „Ankommens & Einparkens“ und der Frage nach einem visuellen wie gedanklichen Übergang zwischen dem Vorbereich der Anlage und dem eigentlichen Museum auseinander.

Schirin Kretschmann (*1980 in Karlsruhe) lebt und arbeitet in Berlin und München. Seit 2020 lehrt sie als Professorin für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie hat zahlreiche Arbeiten für den öffentlichen Raum sowie für internationale Galerien und Institutionen entwickelt.

www.schirinkretschmann.de

Familienführung
6. November, 4. Dezember

Jeden 1. Sonntag im Monat um 14 Uhr schauen wir in die Ausstellung, stellen uns Fragen, wundern uns, staunen und schmunzeln gemeinsam.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bei Lucia Riemenschnitter, Leitung der Kunstvermittlung:

  • Telefon +49 214 406 – 45 18
  • E-Mail: kunstundbildung@museum-morsbroich.de
KUNSTGENUSS. 22/23: spielzeit
8. November, 24. Januar, 31. Januar

jeweils um 14.30 Uhr
 

In der Führung „22/23: spielzeit“ schauen wir uns vorrangig die Räume der Künstler*innen an, die zur „Werkstatt Morsbroich 2022 – 26“ gehören. Welche Ideen haben sie schon für das Ensemble Morsbroich entwickelt?

Hat Harald F. Müller das Treppenhaus weiter in Zinnoberrot gestaltet? Oder hat er weitere Farben dazu genommen? Wie sehen die mobilen Gärten von Gabriela Oberkofler inzwischen aus? Haben die Besucher Ideen für den Schlosspark im Raum von Christoph Schäfer & Margit Czenki hinterlassen? Welche Ideen hat Tilo Schulz für den inneren Park vor und hinter dem Schloss entwickelt? Und hat Mark Dion sein Hexenhäuschen („The Witchesʼ Cottage“) schon eingerichtet?

Sigrid Ernst-Fuchs wird in der Führung die Intentionen der Künstler*innen erläutern.

Für jeden Termin ist eine Anmeldung bis zum Freitag, 12 Uhr mit Rückrufnummer unbedingt erforderlich. Die Teilnahmegebühr beträgt 12,50 € pro Person und beinhaltet den Eintritt, die Führung und Kaffee und Kuchen.

Wenden Sie sich gern an Claudia Leyendecker unter Telefon +49 (0)214 406-4510 oder per E-Mail an claudia.leyendecker@museum-morsbroich.de!

Außerhalb dieser Termine können Sie auch separat Führungen mit anschließendem Gespräch bei Kaffee und Kuchen vereinbaren. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt zweölf Personen.