Wolf Vostell
Das Land Nordrhein-Westfalen übergibt Sammlung
mit 23 Werken von Wolf Vostell an das Museum
Morsbroich in Leverkusen

60 x 50 cm
(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Dem in Leverkusen geborenen Künstler Wolf Vostell und der Fluxus-Bewegung in Nordrhein-Westfalen soll ein Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt im Leverkusener Museum Morsbroich gewidmet werden. Zur Förderung dieser Bemühungen hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Konvolut mit Arbeiten von Wolf Vostell aus Privatbesitz (Sammlung Ruepp) erworben und stellt es dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung.
Das Museum Morsbroich besitzt Werke des Künstlers aus den Jahren 1962-1992. »Wir freuen, uns, dass das Museum mit der Übergabe der Sammlung Ruepp nun über einen akzentuierten Sammlungsschwerpunkt verfügt«, sagte Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff. Dieser Schwerpunkt soll in Zukunft durch Mäzene und Sponsoren erweitert werden. Dabei steht der Erwerb von Werken mit privaten Mitteln aus dem Nachlass des Künstlers im Vordergrund, mit dem Ziel, ein Kompetenzzentrum für die Kunst von Wolf Vostell und die mit ihm verbundene Fluxus-Bewegung in Leverkusen zu errichten.
Das Museum Morsbroich initiierte im Jahr 1992 die umfangreichste Retrospektive Vostells in fünf deutschen Museen.
Wolf Vostell (1932 Leverkusen – Berlin 1998) war einer der großen Schöpfer und Erfinder der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sein künstlerischer Werdegang, seine bedeutenden Beiträge zur Geschichte der Kunst markieren entscheidende historische Entwicklungsschritte. Ausdrucks- und Arbeitsweisen, die ursprünglich von Vostell in die Sprache der Kunst eingeführt wurden, beeinflussten ganze Künstlergenerationen und prägen bis heute das Erscheinungsbild der aktuellen Kunst.
Die Sammlung umfasst insgesamt 23 Arbeiten aus den Jahren 1959 bis 1982. Sie zeigt einen geschlossenen, repräsentativen Querschnitt durch das Werk: von der Collage zur Décollage, von den Skizzenbüchern »Leben gleich Kunst« (1974) und »Kodex Erstarrungssand« (1975), in denen zahlreiche Installationen erstmals skizziert sind, über Zeichnungen und Leinwandarbeiten bis hin zu den Multiples. Die Werke wurden von Wolf Vostell gezielt für die Sammlung ausgewählt und stammen in der überwiegenden Zahl unmittelbar aus dem Atelier des Künstlers, so dass man bei dem Konvolut von einer »konzentrierten retrospektiven Sammlung« sprechen kann. Ein Hauptwerk der Sammlung ist das Bild »Salón de Mayo«. Dieses monumentale Werk entstand anlässlich des VI. Salón der Mayo 1962 in Barcelona. Es besteht aus zwei montierten Plakatabrissen, die von den Besuchern in den zwei Wochen der Ausstellung beschrieben, weiter abgerissen und verwischt wurden. »Das Werk wurde von vielen Menschen durch ihre Eingriffe total verändert und somit die Distanz zwischen Bild und Betrachter aufgehoben. Am letzten Tag der Ausstellung wurde die Decollage schwarz übermalt.« (Vostell)
Das Konvolut enthält darüber hinaus Partituren für Happenings (Partitur des Happening »Salat«. Köln-Aachen, 1970) bzw. Skizzen, begleitende Werke und Dokumentationen zu realisierten (Miss Vietnam, 1967; Erdbeeren / Happening für ADA II, 1974) und nicht realisierten (California Zephir, 1970; Vietnam-Symphonie, 1971; Olympia '72, 1971) Happenings.
Die Zusammenstellung der Werke legt einen Schwerpunkt auf die Environments, Aktionen und Happenings und damit auf den besonderen kommunikativen Aspekt der Kunst Vostells: Der Künstler bezog das Publikum konsequent in seine Werke ein. Selbst die Multiples und Editionen,die u.a. mit „T.O.T. Technical Oak Tree“ aus dem Jahr 1972 beispielhaft in der Sammlung vertreten sind, aktivieren ihre Besitzer dazu, die enthaltenen Elemente zu benutzen und damit selbst Aktionen durchzuführen.