Zeitgespenster. Erscheinungen des
ÜbernatĂŒrlichen in der zeitgenössischen Kunst

Maya Brush/ First Virtual Birth, 2011
Kirsten Geisler
Maya Brush/ First Virtual Birth, 2011
2011
3D-Computeranimation, Blue Ray, 5:47 Min.
Courtesy of the artist, AKINCI, Amsterdam und Galerie Thomas Schulte, Berlin
The Ghosts
Sue de Beer
The Ghosts
2011
2-Kanal-Videoinstallation, Teppich, SitzsÀcke
Courtesy Galerie Christian Ehrentraut, Berlin und Marianne Boesky Gallery, New York
Foto: Adrian Sauer

Private Residence, Clinton, Maine
Corinne May Botz
Private Residence, Clinton, Maine
Aus der Serie Haunted Houses, 2008
Fotografie, 28 × 35 cm
Courtesy of the artist

27. Oktober 2012 - 06. Januar 2013

Gespenster lassen sich nicht als historisches PhÀnomen abtun, auch nicht mit den Mitteln neuzeitlicher Vernunft oder modernster Technik wegrationalisieren. Vielmehr sind sie gerade heute unheimlich prÀsent und scheinen Derridas Annahme zu bestÀtigen, dass jedes Zeitalter seine eigenen Gespenster hat.

Unter neuen Vorzeichen berufen sich auch aktuelle Positionen in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Gespenstern auf das einzigartige Potential der Kunst, Unsichtbares ins Bild zu setzen. In der kĂŒnstlerischen AnnĂ€herung an die Grenzen des Erfahrbaren ist das Bild als Projektion und ProjektionsflĂ€che wie kein anderes Medium dazu angetan, Geister in Erscheinung zu bringen.

 

Den an der Ausstellung beteiligten KĂŒnstlern dient die BeschĂ€ftigung mit oder die EinfĂŒhrung von Gespenstern der Reflexion gesellschaftlicher und kultureller PhĂ€nomene im Umgang mit dem UnerklĂ€rbaren und VerdrĂ€ngten: Der Auftritt des Gespensts als das Andere, die „Figur des Dritten“, das die herkömmliche dualistische Ordnung von Innen und Außen, Diesseits und Jenseits, Leben und Tod aushebelt und rational getrennte SphĂ€ren miteinander vermittelt. Die so verstandenen „Zeitgespenster“ werden zu Agenten einer kritischen Sicht auf eine vieldimensionale Welt.

 

Dabei zeigt sich, dass Gespenster in der zeitgenössischen Kultur mit ihren neuen Technologien und Medien sowie in der gewandelten sozialen und politischen Landschaft immer neue SphĂ€ren belegen. Mag unserem Vernunftdenken, das bemĂŒht ist mit klaren Unterscheidungen von RealitĂ€t und Phantasie, Sinnlichem und Übersinnlichem die Welt zu ordnen, auch jeglicher Spuk fern sein: In einer Zeit, die durch die EinfĂŒhrung verschiedener Ebenen von VirtualitĂ€t aus den Fugen geraten scheint, faszinieren und inspirieren Gespenster wieder zunehmend als Bewohner der ZwischenrĂ€ume, als Gestalten der Überschreitung der Grenzen zwischen Wahrnehmung und Einbildung, realer und virtueller Welt.

 

Man spricht von Zeitgeist, und Geist ist ja nicht unbedingt ein intellektueller Vorgang oder etwas im Kopf Ablaufendes, also Geistvolles. Nein, Geist kann auch eine Erscheinung, besser noch eine Geistererscheinung oder so etwas wie ein Gespenst sein. So gesehen, wÀre Zeitgespenst der passendere Ausdruck.

(Georg Baselitz, 2000)

 

Kurator der Ausstellung war Fritz Emslander.

 

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