
Das Museum
Das Museum Morsbroich ist das erste Museum in Nordrhein-Westfalen, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg der zeitgenössischen Kunst verpflichtet hat. Bedeutende Ausstellungen internationaler Künstler wie Yves Klein, Lucio Fontana, Louise Nevelson, Andy Warhol, Robert Motherwell u.a. wurden gezeigt. Parallel zu seiner regen Ausstellungstätigkeit bemüht sich das Museum um die Erweiterung seiner Sammlung durch Ankäufe exemplarischer Werke der Gegenwartskunst und trug im Lauf von 50 Jahren eine beeindruckende Sammlung von circa 400 Gemälden und Skulpturen sowie 5000 druckgrafischen Werken zusammen.
Das Schloss Morsbroich
Das Schloss Morsbroich liegt, umgeben von einem weitläufigen Park, östlich des Leverkusener Zentrums. 1220 erstmals urkundlich erwähnt, war Morsbroich von 1619 bis 1803 Sitz des Deutschen Ritterordens. 1774 ließ Ignaz von Roll die Burg abbrechen und durch ein barockes Schlösschen ersetzen. 1857 übernahm die Familie des Viersener Seidenfabrikanten Friedrich von Diergardt das Haus und ließ es 1885 um zwei Flügel erweitern. 1974 erwarb die Stadt Leverkusen das Schloss Morsbroich, das nun das Museum beherbergt.
J U S T U S B I E R P R E I S
F Ü R K U R A T O R E N
Pressemitteilung
JUSTUS BIER PREIS für Kuratoren zum zweiten Mal vergeben
Der Justus Bier Preis 2010 geht an
Doreen Mende, Berlin, und
Dr. Markus Heinzelmann, Museum Morsbroich, Leverkusen
Der Preis wird am 19. Juni 2011, um 12 Uhr
im Spiegelsaal von Museum Morsbroich verliehen -im Zusammenhang mit der Eröffnung der Ausstellung ‚Schnitte im Raum. Skulpturale Collagen‘
Das prämierte Projekt
Candida Höfer. Projects: Done
wurde 2009 von Doreen Mende und Markus Heinzelmann für das Museum Morsbroich realisiert.
Die Juroren waren der Meinung, dass Ausstellung und Katalog eine bedeutende Künstlerin der Gegenwart auf besonders eindrucksvolle Weise - hier wurde die Zusammenarbeit der Kuratoren mit den Architekten Kuehn Malvezzi besonders erwähnt - vorgestellt haben.
Die Preisträger
Doreen Mende arbeitet als freie Kuratorin an Projekten, die sich mit der Politik des Ausstellens und kosmopolitischen Modernen beschäftigen. Die Bedingungen des Raums sind dabei Grundelemente der konzeptuell-kuratorischen Praxis, z.B. in Zusammenarbeiten mit The Otolith Group, Armin Linke, Filipa César,Jean-Pierre Gorin, Brad Butler/Karen Mirza, Milica Tomic, Khaled Hourani u.a. 2006 gründete sie mit Wilfried Kuehn (Kuehn Malvezzi Architekten) die Publikationsreihe DISPLAYER an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, im Rahmen dessen die erste Zusammenarbeit mit Candida Höfer in Form einer Ausstellung am ZKM entstand. Aktuell ist eine von ihr kuratierte Ausstellung mit Projekten von KP Brehmer im Centro Andaluz de Arte Contemporáneo in Sevilla zu sehen. 2010 war sie Fellow des Research Program der Arab Image Foundation in Beirut und unterrichtete an der International Art Academy Palestine. Mende arbeitet derzeit an ihrer Doktorarbeit (PhD) in Curatorial/Knowledge am Goldsmiths, University of London; für 2012 ist in diesem Zusammenhang eine Publikation über Displayformen zwischen Produktion und Präsentation mit spector books Leipzig geplant.
Dr. Markus Heinzelmann hat nach dem Studium der Kunstgeschichte in Münster i.W. am Sprengel Museum Hannover und für das Siemens Arts Program gearbeitet, bevor er im Jahr 2006 zum Direktor des Museum Morsbroich berufen wurde. Unter seiner Leitung wurde das Museum Morsbroich vom Internationalen Kunstkritikerverband aica zum Museum des Jahres 2009 gewählt.
Neben wichtigen monografischen Ausstellungen zur Klassischen Moderne und Gegenwartskunst (Emil Nolde, Markus Schinwald, Ann Veronica Janssens, Gerhard Richter, Bernard Frize) hat Heinzelmann vor allem Projekte zu gesellschaftlich herausgehobenen Fragestellungen realisiert, darunter ‚Plug-in. Einheit und Mobilität’ im Westfälischen Landesmuseum Münster, ‚Auf eigene Gefahr’ an der Schirn Kunsthalle, ‚Rückkehr ins All’ an der Hamburger Kunsthalle, ‚Der Kontrakt des Fotografen’ in der Akademie der Künste in Berlin oder ‚Personal Affairs. Neue Formen der Intimität’ am Museum Morsbroich, Leverkusen. Heinzelmann entwickelt seine Projekte häufig mit ausgeprägtem Ortsbezug – so wie auch die Ausstellung ‚Candida Höfer. Projects: Done’ speziell für die Räume des barocken Schlosses Morsbroich konzipiert war.
Die Jury des Justus Bier Preises
Prof. Dr. Stephan Berg (Intendant Kunstmuseum Bonn),
der Schriftsteller Durs Grünbein, Berlin,
Dr. Carl Haenlein, Hannover (Vorsitzender der Jury),
Prof. Thomas Wagner (Kritiker, Heppenheim/Bergstraße) und
Prof. Thomas Weski (Hochschule für Grafik u. Buchkunst Leipzig)
Der JUSTUS BIER PREIS für Kuratoren
Mit ihm sollen fachlich und sprachlich herausragende Publikationen in Zusammenhang mit Austellungsprojekten aus dem deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden. Eine vergleichbare Auszeichnung für kuratorische Leistungen gab es bisher nicht.
Die Stifter des Preises ebenso wie die Jury sind der Auffassung, dass die Arbeit von Kuratoren mehr Aufmerksamkeit verdient, als das heute der Fall ist. Schließlich ist die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kurator eine der Grundlagen der Arbeit, die in Museum und Ausstellungshaus geleistet wird.
Der Preis geht zurück auf eine Anregung von Dr. Carl Haenlein, dem langjährigen Leiter der Kestner Gesellschaft Hannover.
Erstmalig ging die Auszeichnung 2010 an Christiane Meyer-Stoll, Kuratorin am Kunstmuseum Liechtenstein, als Herausgeberin des Katalogs der Sammlung Rolf Ricke sammlungrolfricke einzeitdokument.
Der Preis - Preisgeld 5.000,-- €
Der mit 5.000,-- € dotierte JUSTUS BIER PREIS wird jährlich verliehen. Er wird getragen von der ‚Helga Pape Stiftung Jens und Helga Howaldt‘, in Hannover.
Der Namensträger des Preises - Justus Bier
Justus Bier (1899 – 1990) war von 1930 bis 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover. Da Justus Bier Jude war, sind seine Entlassung und das Verbot seines konsequent der modernen Kunst gewidmeten Programms immer wieder durch die Nazis gefordert worden. Jedoch hat Justus Bier weder sein Programm geändert, noch wurde er vom Vorstand der Kestner Gesellschaft abberufen. Im Zusammenhang mit seiner Franz Marc Ausstellung im Jahre 1936 wurde das Institut durch die Gestapo geschlossen.
Nach der gelungenen Emigration in die USA übernahm Justus Bier eine Professur für Kunstgeschichte an der University of Louisville, Kentucky. 1961 wurde er Leiter des Allan R. Hite Art Institutes und dann Direktor des Museums in Ralleigh, North Carolina.
Justus Bier zeichnete sich einerseits durch seinen Einsatz für die moderne Kunst aus - noch 1935 zeigte er in der Kestner Gesellschaft Emil Nolde, August Macke und Erich Heckel. Franz Marc folgte 1936. Andererseits bewies er durch seine Forschungen über Tilman Riemenschneider und Veit Stoß ein tiefes Verständnis für die Geschichte der Kunst. Bis auf den heutigen Tag sind seine Arbeiten über Riemenschneider Meilensteine der Forschung geblieben.
Hannover, im Mai 2011
Museum des Jahres 2009
Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (aica) hat das Museum Morsbroich zum Museum des Jahres 2009 und die Ausstellung „Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen“ in der Hamburger Kunsthalle zur Ausstellung des Jahres 2009 gewählt.
Der Internationale Kunstkritikerverband begründet seine Entscheidung für das Museum Morsbroich mit dem „bemerkenswert hohe(n) Niveau der Ausstellungstätigkeit in Leverkusen“ sowie dem vorbildlichen Brückenschlag „zwischen der eigenen Sammlung und dem Ausstellungsprogramm“, mit dem „das Publikum sorgsam an die jeweils aktuellsten Kunstströmungen“ herangeführt werde.