Gerhard Richter.
├ťbermalte Fotografien

17. Febr. 92
Gerhard Richter
17. Febr. 92
1992
schwarzer und wei├čer Lack auf
Farbfotografie, 9,8 x 15,0 cm, bez. u. l.:
17. Febr. 92, u. r.: Richter, r├╝cks. bez.:
17. Febr. 1992 / Richter, Galerie Bernd
Lutze, Friedrichshafen
17. Oktober 2008 - 18. Januar 2009

Mit der Ausstellung ÔÇ×Gerhard Richter. ├ťbermalte FotografienÔÇť pr├Ąsentiert das Museum Morsbroich erstmals einen nahezu unbekannten Strang im Werk des weltber├╝hmten K├╝nstlers. Die rund 500 Arbeiten der Ausstellung aus den Jahren 1986 bis 2008 stammen fast ausnahmslos aus Privatbesitz und belegen, wie sich ├╝ber einen langen Zeitraum und weitgehend unbemerkt von der ├ľffentlichkeit die umfangreiche Gruppe der Foto├╝bermalungen zu einem faszinierenden Werkblock entwickelt hat.

Gerhard Richter hat die Technik der Foto├╝bermalung durch Zufall entdeckt: Als er Fotografien und Zeitungsausschnitte als Vorlagen f├╝r seine ├ľlgem├Ąlde benutzte, sind ihm w├Ąhrend des Malens und beim Abgleich der Farbwerte immer wieder ├ľlfarben auf die Fotos getropft. Die dabei entstandenen Farbeffekte und die Wechselwirkung zwischen den unterschiedlichen Medien Fotografie und Malerei haben Richter dazu angeregt, mit dieser au├čergew├Âhnlichen Kombination intensiv zu experimentieren und sie zu einer eigenst├Ąndigen Werkgruppe auszubauen.

In der Regel verwendet der K├╝nstler f├╝r seine ├ťbermalungen handels├╝bliche Fotoabz├╝ge in der Gr├Â├če von 10 mal 15 Zentimetern. Die Fotos entstehen im Familien- und Freundeskreis, im Urlaub und auf Reisen, w├Ąhrend der Suche nach Motiven f├╝r seine Gem├Ąlde oder einfach beim Spazierengehen. Richter fertigt jedes Jahr Tausende von Fotos an, von denen all diejenigen, die nicht in das private Fotoalbum aufgenommen oder weiter verarbeit werden, in einer gro├čen Kiste landen. An manchen Tagen, an denen Richter mit dem Rakel abstrakte ├ľlbilder geschaffen hat, holt er einige ausgew├Ąhlte Fotografien wieder hervor und fertigt mit den noch nassen Farbresten seine ├ťbermalungen an.

Richter zieht die Fotos durch die ├ľlfarbe, schiebt die Farbe zu dicken W├╝lsten auf, verwischt sie und erzielt auf diese Weise surreale Farbschlieren, dr├╝ckt die Fotos flach auf den Rakel und hebt sie vorsichtig wieder ab, so dass sich die z├Ąhe Farbe zu vielf├Ąltigen, gezackten Farbinseln erhebt. Bisweilen geht der K├╝nstler noch einmal mit dem Spachtel durch die nasse Masse. Dabei entsteht ein fantastisches Wechselspiel zwischen den beiden Realit├Ąten Fotografie und Malerei: Die dokumentarische Form des Fotos und der ungegenst├Ąndliche Charakter des Farbauftrags kommentieren sich gegenseitig und zeitigen eine m├Ąrchenhafte Flut von Assoziationen und Bildsensationen.

ÔÇ×Beim Betrachten dieser ├╝bermalten kleinen Bilder in der Gr├Â├če von Schnappsch├╝ssen, die ich wie Karten durchmischen k├Ânnte, wenn ich sie je in die Hand bek├Ąme, dachte ich: Sie sind so sch├Ân. (ÔÇŽ) Ich war entz├╝ckt von den Farben der ├ťbermalung und des Bildes darunter, und als ich mit der Betrachtung fortfuhr, wurde ich wehm├╝tig, traurig, am├╝siert, verwirrt, erstaunt, und manchmal ├╝berkam mich ein Gef├╝hl eines schmerzlichen Verlusts. Einige Male habe ich laut gelacht. Ich war die ganze Zeit fasziniert.ÔÇť (Siri Hustvedt in ihrem Essay f├╝r den Katalog)

Gef├Ârdert durch

Mit freundlicher Unterst├╝tzung von


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und ein Katalog in englischer Sprache im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 392 S., ca. 470 Farbabbildungen, mit Beitr├Ągen von Markus Heinzelmann, Siri Hustvedt, Uwe M. Schneede und Botho Strau├č und einem Vorwort von Joerg Bader und Markus Heinzelmann, ISBN 978-3-7757-2242-1 (Deutsch),
ISBN 978-3-7757-2243-8 (Englisch): ÔéČ 39,80

Vom 18. Oktober 2008 bis 1. Februar 2009 veranstaltet das Museum Ludwig, K├Âln, die Ausstellung ÔÇ×Gerhard Richter. Abstrakte BilderÔÇť mit rund 40 Gem├Ąlden aus den Jahren 1986 bis 2006. Sie erreichen das Museum Ludwig f├╝nf Mal die Stunde bequem mit dem Zug bzw. der S-Bahn (Linie 6) von Lev.-Mitte nach K├Âln HBF in 15 bis 19 Minuten

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