Das Theater ist auf der StraĂźe
Die Happenings von Wolf Vostell

130 km à l’heure (130 Stundenkilometer)
Wolf Vostell
130 km à l’heure (130 Stundenkilometer)
1963
Skulptur aus dem Happening NEUN NEIN-dé-coll/agen, Auto, Kollisionsspuren
160 x 410 x 170 cm
The Wolf Vostell Estate
NEUN NEIN-dé-coll/agen
Wolf Vostell
NEUN NEIN-dé-coll/agen
1963
Notation 2 zum Happening, 1963
Umdruck, Kreide, SprĂĽhdose, Bleistift
47 x 45,3 cm
Von der Heydt-Museum Wuppertal (erworben aus Mitteln der Von der Heydt-Stiftung, 1998)
06. Juni 2010 - 15. August 2010

Eröffnung: Sonntag, den 06. Juni 2010, um 12 Uhr

Eine Kooperation des Museum Morsbroich, Leverkusen und des Consorcio Museo Vostell Malpartida im Rahmen der Projektreihe Europäische Partnerschaften der Kunststiftung NRW und des Goethe-Instituts.

Wolf Vostell (Leverkusen 1932–1998 Berlin) realisierte zwischen 1954 und 1988 über 50 Happenings, die die Zuschauer zu Beteiligten machten. Mit seinem für die europäische Aktionskunst bahnbrechenden Schritt aus dem Atelier auf die Straße bezog Vostell seine Mitmenschen in den künstlerischen Prozess mit ein. Die Überblicksschau präsentiert Vostells Happenings als multimediale Collagen von bildkünstlerischen und theatralischen Ausdrucksformen.

Happenings waren fĂĽr Wolf Vostell Instrumente der Bewusstmachung von Zeitphänomenen. Die Wirklichkeit sollte zum integralen Bestandteil der Kunst werden. So setzte Vostell dem objet trouvĂ©e der Dadaisten sein Konzept des vie trouvĂ©e entgegen. Nicht nur den Kunstbegriff mit seinen starren und tradierten Formen, sondern vor allem auch das Leben mĂĽsse man erweitern: „Duchamp hat das Objekt zur Kunst erklärt, ich habe das Leben selbst zur Kunst erklärt.“  

In den StraĂźen von Paris realisierte Vostell mit Das Theater ist auf der StraĂźe 1958 das erste europäische Happening, 1961 mit Cityrama (1) in Köln das erste Happening auf deutschem Boden. Als teils inszenierte, teils improvisierte Geschehnisse vermischten die ĂĽber drei Jahrzehnte im Rheinland und in New York, in Berlin, Amsterdam oder Barcelona realisierten Happenings Elemente der Realität mit Elementen der Farce, wobei das Gelingen immer davon abhing, ob das Publikum mitspielte.  

In der Teilnahme an den Happenings konzentrierte und potenzierte sich die erfahrbare Wirklichkeit, und zugleich war Vostells Sozial-, Kultur- und Medienkritik deutlich zu vernehmen. Dabei blieben die Ereignisse immer ambivalent, zwischen Zufälligkeit und Steuerung, Spiel und Ernst, Leben und Tod. In ihrer Offenheit gaben Vostells Happenings Anlass und AnstoĂź zur Steigerung der eigenen Wahrnehmungs-, Erlebnis- und Erkenntnisfähigkeit: „sehen hören und erleben sie alles mit happeningbewuĂźtsein“! 

Die Ausstellung wird kuratiert von Fritz Emslander (Museum Morsbroich) und JosĂ© Antonio AgĂşndez Garcia (Consorcio Museo Vostell Malpartida). 

Es erscheint ein Katalog im Kerber Verlag (ca. 336 S. mit ca. 700 Abbildungen; € 30,-im Museum, ca. € 45,-im Buchhandel) in deutscher und spanischer Sprache mit vier einleitenden Essays, einem Interview mit Mercedes Vostell und einem Anhang mit Bild- und Textdokumenten zu sämtlichen Happenings

In Kooperation mit


 

 

Ermöglicht durch die Kunststiftung NRW und das Goethe-Institut.

 

Weitere Informationen:

Museo Vostell Malpartida: http://www.museovostell.org/

Titelabb. Homepage:
Wolf Vostell
Der Flughafen als Konzertsaal;
Aktion des Happenings In Ulm, um Ulm und um Ulm herum 1964
Fotografie, s/w
Junta de Extremadura. Consorcio Museo Vostell Malpartida